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Campingausrüstung: Die Qual der Wahl (2)

Angefixt durch die Touren in 2014, bei denen ich noch mit Leihmaterial unterwegs war, musste für die kommende Saison eine eigene Ausrüstung her: Hauptsächlich fehlten mir noch Zelt und Schlafsack. Doch das Angebot ist groß, die Auswahl fällt entsprechend schwer.

Der Schlafsack.

Die Auswahl eines Schlafsacks gestaltet sich noch schwieriger als die Auswahl eines Zelts. Das liegt im Wesentlichen daran, dass es hier zum einen eine breite Auswahl an zur Verfügung stehenden Materialien gibt und zum anderen an den angegebenen Temperaturbereichen. Hier weiß man unter Umständen gar nicht was die angegebenen Temperaturbereiche überhaupt bedeuten, oder – viel interessanter – wie sich diese Angaben in der Praxis anfühlen.

Die Materialien.
Es gibt für jeden Zweck Materialien, welche für den jeweiligen Einsatz mehr oder weniger geeignet sind. Um an dieser Stelle nicht zu weit auszuholen, beschränke ich mich auf die wohl 2 relevantesten: Kunstfaser oder Daune?

Daune hat den Vorteil bei relativ geringem Gewicht sehr isolierend zu wirken. Gleichzeitig haben sie aber den Nachteil innerhalb der Kammern verrutschen zu können und somit ungewünschte Kältebrücken zu bilden. Dieser Umstand kann aber aufgrund geschickter Kammerkonstruktionen minimiert werden.
Weiterhin besteht das Risiko, dass die Daunen feucht werden. Das kann aufgrund des Wetters passieren, oder einfach durch die Ausdünstungen, welche Nachts durch den Körper abgegeben und durch die Daunen aufgenommen werden. Bleiben die Daunen feucht, bilden sie schnell Klumpen und können so nicht mehr wärmen. Der Sinn und Zweck eines Schlafsacks wäre dann dahin. Man muss also stets darauf achten, den Sack gut auslüften zu lassen, was, je nach Wetter, unter Umständen nicht immer möglich ist.
Das Volumen der Daunen wird in Cuin (Bauschkraft) gemessen. Hier gilt: je höher der Wert, desto besser die Wärmedämmung.

Kunstfaser hat dagegen den Vorteil wetterfester als Daune zu sein. Hier besteht nicht das Risiko der Klumpenbildung und somit ist auch bei einem feuchteren Ausflug die Isolierung eher gewährleistet. Darüberhinaus sind Kunstfasergewebe meist durchgängig, so dass während der Nacht keine spontanen Kältebrücken wie bei Daune entstehen können.
Aber Kunstfaser hat auch Nachteile: Unter anderem ist sie deutlich voluminöser und meist auch schwerer als Daune. Das Verhältnis von Wärmeleistung zu Packmaß/Gewicht ist hier also merklich schlechter als bei der Daunenvariante.

Die Temperaturangaben.
Die Temperaturbereiche werden gemäß EU Norm 13537 zumeist in 3 Bereiche unterteilt: Komfort, Limit und Extrem. Bei diesen Angaben wird berücksichtigt, dass das Temperaturempfinden bei Frauen anders ist als bei Männern. So entspricht die angegebene Komforttemperatur der Temperatur, bei der eine Frau in Unterwäsche eine Nacht schlafen kann, ohne zu frieren. Die Limittemperatur entspricht dem selben Szenario für Männer. Die Extremtemperatur ist die Temperatur, in der man so gerade noch keine Erfrierungen erleidet und ist für die Auswahl eines Schlafsacks daher eher ungeeignet.
Da aber das Temperaturempfinden ohnehin ein individuelles und tagesformabhängiges ist, stehen diese Normangaben, welche unter Laborbedingungen gemessen werden, häufig zur Diskussion. Die auf dem Papier stehenden Angaben sind somit nur ein Anhaltspunkt für einen Kauf, lassen aber keinen direkten Rückschluss zu, wie man sich selbst tatsächlich bei den angegebenen Temperaturen fühlt.

Die Entscheidung.
Um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können, muß man sich zunächst genau überlegen welche Art von Touren man mit seiner Neuanschaffung künftig überhaupt plant. Dies ist deswegen essentiell, weil nur so klar wird, welche Temperaturbereiche abgedeckt, welches Packmaß erfüllt werden muss oder welches Gewicht verkraftbar ist.

Da ich vor habe, während der wärmeren Monate im Jahr, mit dem Rad oder zu Fuß auf Tour zu gehen, war mir wichtig, dass der Schlafsack möglichst leicht und klein sein soll. Dennoch wollte ich mir nicht die Möglichkeit nehmen, ab Frühling oder bis zum Herbst unterwegs sein zu können, weswegen es mit einem reinen Sommersack hier nicht getan war. Für jede Eventualität ein eigenes Zubehör war für mich aus kostengründen, meine Preisgrenze habe ich bei 350EUR festgesetzt, keine Option und so musste ein Kompromiss gefunden werden.
Ein 3-Jahreszeiten-Schlafsack aus Kunstfaser ist weder unbedingt leicht, noch unbedingt klein und somit fiel meine Entscheidung hier auf die Daune. Da ich nicht zwingend bei Wind und Wetter unterwegs sein will, ist das Risiko des Feuchtwerdens in meinem Fall überschaubar. Natürlich kann einen immer das Wetter überraschen, aber hier lasse ich es einfach mal drauf ankommen.
Der komfortable Temperaturbereich sollte auf jeden Fall bis zur 0-Grad-Grenze reichen, denn im Frühjar/Herbst können die nächtlichen Temperaturen schon mal einstellig sein und so habe ich noch etwas Reserve. Mein Motto: Lieber zu warm als zu kalt! Wenn es zu warm ist, kann man den Schlafsack aufmachen, wenn es zu kalt ist, hat man verloren.
Aufgrund meiner guten Erfahrungen in Sachen Isomatte und Zelt, bin ich auch was den Schlafsack betrifft bei der Firma Exped gelandet. Der Exped Lite 500 schien alle meine Anforderungen, inkl. einer geschickten Kammerkonstruktion abzudecken. Ca. 1kg ist nicht wirklich leicht, aber mit den von mir gesetzten Rahmenparametern ein guter Wert. Zu dem war dieser für knapp 300 EUR erhältlich und hatte für mich somit ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis.

Der erste Eindruck.
Was mir direkt sehr gut gefallen hat: Der Schlafsack wird mit 2 Packsäcken geliefert. Ein großer Aufbewahrungssack aus Meshgewebe, worin der Sack locker lagern kann und Luft bekommt und ein Kompressionssack, mit welchem die der Schlafsack für die Reise kompakt verpackt werden kann. Das Material wirkt leicht aber robust, die Daune nicht vulominös aber ausreichend verteilt.
Es gibt 2 Bandzüge, einen um den gut gepolsterten Kragen zuziehen zu können und einen für die Kapuze. Reisverschlüsse und Bänder sind mit lichtspeichernden Abschlüssen versehen, so dass man diese auch im dunkeln findet. Ein erstes Probeliegen rundet das gute Bild ab. Ob die Temperaturangaben halten was sie versprechen wird der erste Praxistest zeigen.

Nicht ganz so gut gelungen ist der Kompressionssack: Vom Prinzip her zwar eine gute Idee, denn mittels eines erzeugten Vakuums lassen sich die Daunen sehr stark komprimieren und somit kann ein sehr kleines Packmaß erreicht werden. In der Theorie. In der Praxis zeigt sich, dass das System des mitgelieferten Packsacks leider nicht optimal ist. So lässt sich hier die Luft eben nicht komplett aus dem Sack drücken, was Platz verschwendet. Hier werde ich mich noch nach Alternativen umsehen müssen.

Die Fotos.


Hinweis: Auch wenn hier ggf. ein anderer Eindruck entstehen mag, ich mache keine Werbung für die Herstellerfirma! Alles was hier steht spiegelt lediglich meine Erfahrung und meine Meinung wieder.

 

Fortsetzung folgt: Wie schlägt sich die Ausrüstung im Outdooreinsatz? Oder zurück zu Teil 1

Author: thorsten

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