id="fb-root">

Afrika für Anfänger

Die Sonne scheint von einem makellosen, ungewöhnlich kräftig blauen, afrikanischen Himmel. Ich bin auf der Landstraße R556, irgendwo nordwestlich von Johannesburg, Südafrika. Der 2.7 Liter Benziner des Toyota Hilux schnurrt vor sich hin, am Steuer die Cousine meiner Mutter, welche hier seit nunmehr 28 Jahren mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt.

Unser Ziel: der Pilanesberg Nationalpark, einer der kleineren, aber gleichzeitig einfach zu erreichenden und sehr artenreichen Nationalparks Südafrikas. Die „Big Five“ – Nashorn, Elefant, Büffel, Leopard und den „König“ von allen, den Löwen – findet man hier.

„Pilanesberg ist zwar nicht der Krügerpark, aber optimal für einen Tagesausflug… um mal eine Vorstellung zu bekommen was die afrikanische Fauna so hergibt! Und die Landschaft ist auch sooo toll!“, sagt meine Großcousine, nicht ohne Stolz an solch einem Fleck Erde zu leben.

Und schon kurz nachdem wir die Stadtgrenze, der mit über 4.4 Millionen Einwohnern größten südafrikanischen Stadt, verlassen haben zieht mich die Landschaft fasziniert in ihren Bann: sanfte Hügel, saftige Graslandschaften, kleine Schluchten durch die sich ebenso kleine Flüsse wie z.B der Crocodile River graben, eine Ehrfurcht einflößende Weite die nur hier und da von einem wie fallengelassen wirkenden, kleinen Bergkegel unterbrochen wird und etwa 1000m hohe Bergketten die unten bewaldet und oben von roten Felsabbrüchen gekrönt werden. Ich war nie ein Afrikafan, einfach nie sonderlich interessiert, aber die natürliche Schönheit dieser Landschaft geht mir gleich unter die Haut. „Into The Great Wide Open“ von Tom Petty & The Heartbreakers plätschert leise aus dem Radio und ist der Soundtrack meines heutigen Trips.

 

Beginnt in Johannesburg der Südafrika-Urlaub und möchte man sich einstimmen, so sollte man ruhig einen Mietwagen nehmen – am besten ein leicht geländegängiges SUV mit Hardtop, offene Fahrzeuge und Motorräder sind aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt – und einen Tagesausflug nach Pilanesberg unternehmen. Vom Stadtzentrum Johannesburgs aus benötigt man für die etwa 150km Landstraße und Autobahn zwischen 2 ½ und 3 Stunden. Kombinieren kann man den Trip auch mit einer Übernachtung in einer der Lodges (1000-6000 Rand / €70-450 pro Person und Nacht) oder im nahegelegenen Sun City, einer kleinen, in den ausgehenden 1970er Jahren künstlich angelegten Glücksspiel-Stadt. Diese hatte ihre Blüte dann in den 80ern bis Mitte der 90er Jahre als Glücksspiel nur in den Homelands, den Siedlungen der schwarzen Einheimischenbevölkerung erlaubt war. Doch noch heute gibt es in dem im Volksmund auch „Las Vegas Südafrikas“ oder gar „Sin City“ genannten Vergnügungskomplex Golfplätze, Casinos, Clubs, Restaurants, Bars und auch sexuelle Begierden können befriedigt werden.

In den Lodges hingegen steht weiterhin die Natur und in den High End Resorts der verschwenderische Luxus im Vordergrund. Auch Dämmerungs- und Nachtausflüge, wo manche der Tierarten erst so richtig aktiv werden, können von dort unternommen werden. Als Individualreisender hingegen muss man den Park je nach Jahreszeit zwischen 18 und 19 Uhr verlassen.

Apropos Restriktionen: wer glaubt in einem solchen Nationalpark kann man herumlaufen und tun und lassen was man möchte, der irrt. Das Auto verlassen ist strengstens untersagt, es sei denn man begibt sich zu einem der Beobachtungspunkte oder Picknick-Plätze. Diese sind eingezäunt um nicht von einem hungrigen Wildtier überrascht zu werden. Man kann weder wandern, noch Feuer machen, noch darf man sich per pedes einem der wilden, tierischen Bewohner nähern. Auch wenn die Zebras, Kudus, Impalas, Giraffen und Warzenschweine auch noch so lieb aussehen, auch sie können in den Angriff übergehen, etwa wenn sie sich durch Kameraklicken oder menschliche Annäherung bedroht fühlen – ganz besonders wenn sie gerade Junge haben. Vom Auto hingegen sind sie sicher und oft auch aus wenigen Metern Nähe zu bewundern und zu fotografieren. Es empfiehlt sich dazu am besten eine qualitativ hochwertige System– oder DSLR-Kamera mit Teleobjektiv. Aber auch eine Festbrennweite mit 35-40mm KB Format sollte für Landschaftsaufnahmen nicht fehlen. Anschnallen muss man sich übrigens innerhalb des Nationalparks nicht und auch die Fenster kann man allesamt herunterlassen – nur die Sonnenmilch nicht vergessen, denn die südafrikanische Sommersonne ist brutal!

Der Park hat mehrere Zufahrten: im Süden das „Bakubung Gate“, im Südosten „Kwa-Maritane Gate“, im Osten „Manyane Gate“ und im Nordosten das „Bakgatla Gate“. An jedem, und auch noch an weiteren Stellen befinden sich besagte Lodges. Um den Park erkunden zu dürfen bezahlt man 20 Rand pro Auto und nochmal 65 Rand pro Person. Pensionäre und Kinder erhalten vergünstigten Eintritt für je 20 Rand. Vor Einfahrt unbedingt nochmal die Tankuhr checken, denn Tankstellen gibt es keine. Allerdings ist es aber auch von keinem Punkt im Park weiter als 50km bis zum nächsten Gate und zumindest in Sun City gibt es Tankstellen. Fortbewegen tut man sich im Park dann hauptsächlich auf Sandpisten welche oft deutliche Unebenheiten, Neigungen, Steigungen und tiefe Schlaglöcher aufweisen und daher nicht empfehlenswert für normale Straßenautos sind. Dennoch gibt es auch einige asphaltierte Straßen, welche jedoch leider nicht zu den wirklich interessanten Stellen führen. Alternativ kann man außerhalb des Parks auch geführte Ausflüge in erhöhten, offenen Safari-Jeeps mit treppenförmig angeordneten Sitzbänken für die Fahrgäste oder in Minibussen buchen.

 

Wir nahmen das südöstliche „Kwa-Maritane Gate“ da es aus Johannesburg kommend die direkteste Zufahrt darstellt. Der von dort ausgehende Tshepe Drive ist eine Sandpiste und auch wenn diese anfangs parallel zur Hauptstraße und der Landebahn des Pilanesberg Airports führt begegneten uns bereits nach den ersten Metern ein paar tierische Bewohner: Warzenschweine mit ihren Ferkeln, Flusspferde die bis zu den Ohren in einem kleinen Gewässer relaxten und sogar Giraffen welche sich durch unsere Vorbeifahrt nicht beim Abfressen der an der Straße stehenden Büsche Stören ließen. Überhaupt scheinen die Tiere nicht sonderlich scheu zu sein, denn auch die Zebras die uns mitten auf der Straße entgegenkamen wichen uns nur um wenige Meter aus um das ebenfalls direkt an der Straße wachsende Gras zu fressen.

Unser erstes Ziel, um einen mitgebrachten Mittagssnack einzunehmen, war der Picknickplatz oberhalb des Mankwe Dams von dem aus man eine pittoreske Aussicht über den zentral gelenen See hat und sich an unter schattenspendenden Bäumen stehenden Sitzgruppen niederlassen, Kleintiere beobachten und sogar auf feststehenden Grills ein kleines Barbeque veranstalten kann. Allerdings setzt dies natürlich das Mitbringen eigener Grillkohle voraus.

 

Es empfiehlt sich bei Safaris unbedingt Ferngläser mitzunehmen, und mit eben diesen konnten wir auf der gegenüberliegenden Seeseite eine große Herde Zebras ausmachen. Daher führte uns nach ausgiebiger Stärkung unsere Privatsafari via „Mankwe Way“, „Motlobo“ und „Thlware“ zum „Hippo Loop“. Leider machte dieser seinem Namen nicht alle Ehre, denn Flusspferde waren weit und breit keine zu sehen. Nur ein einzelnes, kapitales Nashorn huschte scheu aus dem Gestrüpp, ohne nach links und rechts zu schauen über die Straße und auf der anderen Seite wieder ins schützende Buschwerk. Vielleicht ganz gut so, denn mit ihren teilweise um einen Meter langen Hörnern versuchen sich die zuweilen auch mal neugierigen Schwergewichte – ein ausgewachsenes Breitmaulnashorn etwa kann deutlich über drei Tonnen wiegen – manchmal an Lackdesign und Metallverformung. Die allgegenwärtigen Impalas, auch Schwarzfersenantilopen genannt, findet man sowieso an jeder Ecke. Man hat fast den Eindruck, dass diese in großen Zahlen lediglich als Lebendfutter für die Raubkatzen und als natürliche Gärtner unterwegs sind. Possierlich und zutraulich sind sie allerdings dennoch – irgendwas zwischen misstrauisch und neugierig.

 

Natürlich hielten wir hauptsächlich nach den Predators, den Jägern, Ausschau. Die Sichtung eines Löwen, Leoparden, Geparden oder ähnlicher Großkatzen hätten wir mehr als begrüßt. Leider sind die Populationen relativ klein, Löwen gibt es nach aktuellen Zählungen nur etwa 50 Stück in Pilanesberg, Leoparden oder Geparden sind leider sogar noch seltener. Nichts desto trotz fühlte ich mich bemüßigt zu prophezeien, dass wir an diesem Tag noch mindestens ein Rudel Löwen sehen sollten. Diese als „Touri-Optimismus“ verunglimpfte Vorhersage rang meinen Reisebegleiterinnen nur ein leicht herablassendes Lachen ab. Zu unwahrscheinlich ist es in der Mittagssonne im 55.000 Hektar großen Reservat eines oder gleich mehrere Exemplare dieser Spezies zu sehen. Sie sind natürlich scheu und hey, es sind große Katzen! Tiere die es lieben, wenn das Wetter anstrengend ist, irgendwo zu chillen – und schattenspendende Bäume gibt es nun wirklich genug. Auch wenn die Hoffnung auf eine Sichtung auch meinerseits tatsächlich eher gering war und die Voraussage eher zur Auflockerung der leicht aufkeimenden Frustration über die eher unspektakuläre Ausbeute dienen sollte, so entpuppte sie sich als „Self-Fulfilling-Prophecy“. Denn ausgerechnet an der T-Kreuzung der asphaltierten Hauptstraßen „Tshwene“ und „Kgabo“, keine 500m vom zentral gelegenen Besucherzentrum entfernt, lag doch tatsächlich eine aus einem stattlichen Männchen, mindestens zwei Weibchen und mehreren Jungen bestehende Löwenfamilie, wie man es zu der Tageszeit nicht anders erwarten sollte, träge, fast reglos unter einer etwa 50 Meter entfernten Baumgruppe. Der Tag war gerettet, die Reise es mehr als wert gewesen und die unverhoffte Sichtung eines einzelnen Elefanten, kurz vor Ausfahrt aus dem im Süden gelegenen „Bakubung Gate“ waren letztlich die Höhepunkte des Wildlife Watchings. Der Besuch des Besucherzentrums, in welchem man sich umfassend informieren, Speisen (Burger, Salate, usw.) einnehmen, Kaltgetränke, Eis und andere Erfrischungen, sowie Souvenirs erwerben kann und die Weiterfahrt zu einem am Mankwe Dam gelegenen Aussichtspunktes dienten nur noch zur Vervollständigung des Tagesprogramms.

 

Schläft man nicht in einer der Lodges oder in Sun City, so sollte man etwa 2-3 Stunden vor Sonnenuntergang (im Hochsommer ca. 18:30 Uhr) die Rückfahrt antreten, da einige Siedlungen zwischen Pilanesberg und Johannesburg sogar auf Straßenschildern als Gebiete mit hoher Kriminalitätsrate ausgewiesen werden. So wird jeder Halt an einer der 4-Wege-Kreuzungen zur Gefahr mit Ankündigung. Darüber hinaus sind die Landstraßen unbeleuchtet und es besteht daher zusätzlich das Risiko mit frei umherlaufenden Ziegen, Hunden und anderen Tieren zu kollidieren.

Gefreut habe ich mich auf diesen Ausflug schon lange und letztlich wurde ich, entgegen meiner zugegeben eher niedrigen Erwartungshaltung, nicht enttäuscht. Wie beschrieben gehört etwas Glück und Geduld dazu die besonderen Tierarten zu sehen, da ein solches Wildlife Reserve kein Zoo ist, sondern ein mehr oder weniger freier Lebensraum zur Erhaltung gefährdeter Tierarten. Aber auch wenn man vielleicht an einem Tag nicht alle Mitglieder der „Big Five“ sehen wird, so ist alleine die Landschaft, in der sich der Pilanesberg Nationalpark befindet, die Reise wert.

 

Pilanesberg
Pilanesberg National Park

Author: Robert

Share This Post On

3 Kommentare

  1. robert, phater eintrag!
    muss ich mir in ruhe durchlesen. und die fotos sind ja wie ausm magazin. was hast du für ne kamera? mit tele nehme ich an?

    Kommentar absenden
  2. Nicht nur Spiegelreflex. Die Landschaftsaufnahmen und teilweise auch die von den Tieren sind mit meiner Fujifilm Finepix X100 gemacht.

    Kommentar absenden

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.